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Phonsavan

17./18. Dezember, 1’130müM

🏺 17. Dezember: Rätselhafte Geschichte und laotisches Handwerk
Nach der Schlammschlacht der letzten Tage startete der heutige Morgen in Phonsavan absolut perfekt. Unser Sipanya Guesthouse ist sehr gut. Nach einem sehr guten Frühstück in Honey cafe & Slow Bar: herrlicher Cappuccino und frisch gemachten Pancakes tankten wir die nötige Energie für unseren Erkundungstag.

Die Ebene der Tonkrüge (Plain of Jars) 1 & 2
Das Wetter spielte mit – es war perfekt, um die berühmte Plain of Jars zu besichtigen.

Diese riesigen, tonnenförmigen Gefässe aus Stein sind über 2000 Jahre alt und geben Forschern bis heute Rätsel auf. Wer hat sie gemacht? Und wofür wurden sie wirklich genutzt?
Site 1: Die grösste Fundstelle mit hunderten von Krügen, darunter der massive „Königskrug“.

Site 2: Diese liegen malerisch auf Hügeln und in kleinen Wäldern.
Es ist ein mystischer Ort, der einen ehrfürchtig werden lässt, wenn man zwischen diesen uralten Zeugen der Geschichte steht. Film 🎬

Ein Zeichen von Resilienz: Die Metal Spoon Makers
Zum Abschluss des Tages besuchten wir die Metal Spoon Makers im Dorf Ban Napia. Es ist beeindruckend und zugleich berührend zu sehen, wie die Menschen hier mit ihrer Geschichte umgehen.
Sie nutzen das Metall von Kriegsschrott und Blindgängern, die während des Vietnamkriegs über Laos abgeworfen wurden, schmelzen es ein und giessen daraus Löffel und Schmuck. Aus Werkzeugen der Zerstörung entstehen so nützliche Alltagsgegenstände – ein starkes Symbol für den Überlebenswillen der laotischen Bevölkerung.

Auf dem Weg zurück

🌲 18. Dezember: Stufen zum Himmel und die Schatten der Vergangenheit
Unser zusätzlicher Tag in Phonsavan war alles andere als langweilig. Wir haben ihn genutzt, um noch tiefer in die Landschaft und die bewegte Geschichte dieser Region einzutauchen.
Wanderung zum Phu Kheng Jars Quarry
Heute hiess es noch einmal: Wanderschuhe schnüren! Wir haben den Phu Kheng Jars Quarry besucht. Dieser Ort ist besonders faszinierend, da es sich um den Steinbruch handelt, aus dem viele der riesigen Krüge stammen.
Der Weg dorthin war sportlich: Unzählige Stufen, ca. 1’200, führten uns hinauf durch wunderschöne Pinienwälder. Die Anstrengung wurde mit einer tollen Aussicht über die gesamte Hochebene belohnt. Es ist eindrücklich zu sehen, wie die halbfertigen Krüge dort liegen geblieben sind, als wäre die Arbeit von einem Moment auf den anderen unterbrochen worden.

Berührende Einblicke im MAG Center
Nach der Natur am Vormittag folgte ein Besuch, der uns sehr nachdenklich gestimmt hat: das MAG Center (Mines Advisory Group).
Es ist zutiefst bedenklich, was sich Menschen gegenseitig antun. Dass Laos das am meisten verbombte Land der Welt ist (im Verhältnis zur Einwohnerzahl), war eine Information, die uns in dieser Deutlichkeit neu war. Zu sehen, wie viele Blindgänger (UXO) heute noch das Leben der Menschen bedrohen, rückt die Schönheit der Landschaft in ein ganz anderes, ernsteres Licht. Es macht ehrfürchtig vor der Resilienz der Laoten, die trotz dieser Last so freundlich geblieben sind.

🚗 Ausblick: Die Reise geht weiter nach Pakxan
Morgen, am 19. Dezember, verlassen wir die Hochebene und machen uns auf den Weg nach Pakxan (auch Paksan genannt). Das bedeutet wieder eine längere Fahrt in Richtung Süden, an den Mekong zurück.

Der Weg nach Phonesavan

15./16. Dezember

🛑 Die Realität des laotischen Roadtrips – Der Schlamm-Horror
Nach der Übernahme unseres Mietautos, Mahindra (indische Automarke) sind wir Richtung Berge gestartet. Google Maps ist der „Meinung“ dass es für 300km 10 Stunden braucht. Deswegen planten wir in 2 Etappen nach Phonesavan zu fahren.

Es handelt sich um die Hauptroute Nr. 13. Wir wussten, dass die Strasse schwierig sein würde, aber was wir auf dem Weg von Luang Prabang nach Phou Khoun vorfanden, war jenseits jeder Vorstellungskraft.


Die Hölle auf 130 Kilometern
Die Strecke, die als Hauptverbindungsachse zwischen Nord und Süd gelten müsste, war der blanke Horror!
Es war keine Strasse, es war eine Schlammpiste.
Wir haben in unseren vielen Reisen so etwas noch nie gesehen oder erlebt. Über weite Teile war die Piste völlig aufgeweicht und zerfurcht.
Fahrzeit-Schock: Für die gerade einmal 130 Kilometer brauchten wir unglaubliche sechseinhalb Stunden.
Auch alle grossen Lastwagen, die das Rückgrat der laotischen Logistik bilden, kämpfen sich auch durch diesen Schlamm. Das erhöht die Gefahr und macht das Vorankommen extrem schwierig.

Das Elend in den Dörfern: Die Dörfer entlang der Strecke sind ebenfalls voller Schlamm. Es war ein grauenhafter Anblick, der die harten Lebensbedingungen in dieser Bergregion gnadenlos offenbart.
Trotz der fahrtechnischen Herausforderung und des Schreckens ist die Landschaft um uns herum natürlich weiterhin spektakulär. Aber die Konzentration gilt heute ganz klar der Strasse.

🚿 Typisch Laos – Das Guesthouse-Abenteuer
Nach der mühsamen Fahrt nach Phou Khoun brauchten wir dringend Erholung. Wir kamen in einem neuen Guesthouse unter.
Auf den ersten Blick war alles tip top. Das Zimmer war neu und sauber. Doch dann kam die Überraschung der laotischen Bauweise:
Das Waschbecken hatte schlicht keinen Abfluss! Das Abwasser platschte dir einfach auf die Füsse, wenn du das Wasser laufen liessest.
Ein kleiner, unvergesslicher Moment des kuriosen Reisens, der uns zum Lachen brachte. Trotzdem: Die Nacht war ruhig, die Decken warm – die perfekte Basis für den nächsten harten Fahrtag.

🚧 Tag 16: Schlamm, Bagger und die Erlösung – Ankunft in Phonsavan
Heute stand uns der zweite Teil der Berg-Tortur bevor: die nächsten 130 Kilometer nach Phonsavan. Wir brachen früh auf, in der Hoffnung, das Schlimmste hinter uns zu haben. Leider wurden wir eines Besseren belehrt.


Tiefer Schlamm und die Lastwagen-Blockade
Die ersten 70 Kilometer waren in weiten Teilen schlimmer als gestern! Der Schlamm war noch tiefer und die Unebenheiten grösser. Unser Mietwagen wurde erneut auf eine extreme Probe gestellt – das war Fahren am Limit.

Video 1, Video 2

Der Höhepunkt dieses Strassen-Alptraums war eine Blockade: Zwei grosse Lastwagen hatten die gleiche enge Kurve nicht gleichzeitig erwischen können und blieben tief im Schlamm stecken.
Doch hier zeigte sich die laotische Improvisationskunst: Ein Bagger arbeitete bereits in der Nähe. Kurzerhand schüttete der Baggerfahrer eine neue Möglichkeit neben der Blockade aus, und wir konnten so durchkommen – ein echtes Roadtrip-Glück im Unglück!


Die wohlverdiente Ebene
Nach dieser harten Prüfung kam die Belohnung: Die letzten 60 Kilometer hatten tatsächlich sehr viel, sogar gute Strasse. Wir konnten aufatmen und endlich ein normales Tempo fahren.

Bevor wir zu unserer Unterkunft fuhren, war klar: Das Auto musste dringend gereinigt werden. Nach den zwei Schlammschlachten liessen wir das Fahrzeug zuerst gründlich waschen.


Jetzt sind wir in Phonsavan, dem Tor zur Ebene der Tonkrüge. Die Anreise war hart, aber wir haben es geschafft!